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Anfälligkeit

Die Betroffenen sind meistens sehr intelligente, aber auch äußerst sensible, psychisch labile Personen, die große Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Gefühlen haben. Sie betrachteten die Realität duch eine verzerrende Linse, die die Dinge so vergrößert, dass sie gigantische Ausmaße annehmen. Jedes Problem erscheint unendlich groß, unendlich schwierig und unendlich besorgniserregend. Die Haltung der Betroffenen zum Leben ist, trotz Erfolgen in Ausbildung oder Beruf, durch eine ständige Unzufriedenheit, Unsicherheit und Versagensangst geprägt.

 

Der Weg

Die Betroffenen erkennen irgendwann, zufällig, ohne bewusste Absicht, dass sie sich Erleichterung von ihren extremen Emotionen verschaffen, indem sie sich auf anderes konzentrieren, bspw. auf ihre Fähigkeit, ihrem eigenen Organismus die Nahrung zu verweigern. Nach und nach gelingt es immer besser, die eigenen Gefühle und Empfindungen zu betäuben. Bildlich gesprochen, legen die Betroffenen sich eine Ritterrüstung zum Schutz ihrer Empfindlichkeit an, die jedoch nach gewisser Zeit zu einem Gefägnis wird. Die Abstinenz wird zum Lösungsversuch, der anscheinend nicht aufgegeben werden kann, weil die Betroffenen sonst nicht in der Lage wären, mit den dann aufkommendnen Gefühlen umzugehen. Nicht nur die Nahrung, auch andere potenziell störenden Erfahrungen, die mit Lust und Genuss zu tun haben, werden im Zuge dieser Selbstverleugnung vermieden. Die Betroffenen bringen viele Opfer, arbeiten fleißig und ausdauernd - aufgrund ihrer Angst vor Kontrollverlust, haben sie große Angst vor jeglichem lustvollen Erleben.

 

Andererseits werden ab einem bestimmten Punkt, durch Absonderung bestimmter Neurotoxine rauschartige Zustände bewirkt, die die Betroffenen aufgeregt und unermüdlich erscheinen lassen - ähnlich wie einige Drogenabhängige. Da es den Betroffenen unmgöglich ist, sich einen besseren Zustand vorzustellen, ist der Widerstand gegenüber Veränderungen regelmäßig sehr hoch.

 

Zusätzlich zu der Betäubung von Stimmungen und Gefühlen, die den wohl wichtigsten Aspekt dieser Störung darstellt, verschafft der Nahrungsverzicht den Betroffenen auch das Gefühl, besser zu sein als andere, weil sie etwas schaffen, was viele andere Menschen schwer finden. Die Zuwendung und Zuneigung, die die Betroffenen wegen ihrer Störung von der Umwelt erhalten, stellt einen sekundären Gewinn dar, einen Erfolg, der ihnen, wie sie befürchten, auf anderen Gebieten verwehrt bleiben würde. Neben den individuellen Lösungsversuchen der Betroffenen, spielen auch die Anstrengungen des umgebenden Systems - vor allem der Familie - zu helfen (essen in Gesellschaft, essen erzwingen, sich verstärkt kümmern, usw.), eine große Rolle. Viele dieser Lösungsversuche verschlimmern das Problem oder tragen zu dessen Aufrechterhaltung bei, eben weil sie die sekundären Vorteile mehren, die die Betroffenen aus der Störung ziehen. Dass die Betroffenen der normalen Nahrungsaufnahme und aller anderen Dingen entsagen, die lustvoll und daher irgendwie bedrohlich sind, ist jedoch für die Betroffenen die bedeutendste Strategie, um ihre schwierige Gefühls- und Beziehungswelt in den Griff zu bekommen.




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